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Stadtlauf-Absage alternativlos

Elf Freunde müsst Ihr sein: Orgachef Nico Klein (Dritter von rechts) und das Orga-Kernteam des Stadtlaufs

Nico Klein und das Stadtlauf-Organisationstteam waren an diesem Wochenende alles andere als zu beneiden. Den Frust über die witterungsbedingt unumgängliche Absage des 40. Trierer Stadtlaufs zu verdauen war das eine. Das menschenmöglich beste aus der misslichen Situation zu machen, das war das andere: In Abstimmung mit den beteiligten Organisationen, Partnern und Sponsoren die schmerzhafte, aber alternativlose Entscheidung zu fällen, 4500 angemeldete Aktive (Rekordzahl) zu benachrichtigen und etwa 200 Volunteers. Anfragen zu beantworten und Verständnis für Enttäuschte zu zeigen. All das eine Herkules-Aufgabe. Insbesondere, wenn Eventorganisatoren wie die vom veranstaltenden Verein Silvesterlauf Trier allergrößtenteils ehrenamtlich schuften.

Und dann noch dieser Samstag im Servicezelt an der Porta Nigra… “Vier Stunden im Zelt und wir waren alle fix und fertig”, stöhnte Orgachef Klein am Nachmittag. 41 Grad zeigte das Thermometer im Schatten der Porta. Dort, wo sonst Startnummern abgeholt werden. Medaillen und bestellte Finisher-Shirts lagen zur Abholung bereit für Trierer und jene, die in die Stadt gekommen waren, um bei der Jubiläumsveranstaltung am traditionellen Halbmarathon, dem 10-km-Lauf oder einem der Rahmenwettbewerbe teilzunehmen. Der große Teamgeist war in den Gesichtern abzulesen: Bei der Aufnahme des Teamfotos war den Ehrenamtlern ein Lächeln zu entlocken (siehe Foto)… trotz der für das Orga-Kernteam höchst schweißtreibenden Angelegenheit.

Das Gros der Läuferinnen und Läufer reagierte mit Verständnis auf die Absage, eine Vielzahl äußerte dies auch auf facebook und Instagram. Drei exemplarische Aussagen: “Vielen Dank für die Organisation und die verantwortungsvolle Absage”, meinte Jo. “Alles richtig gemacht… Freue mich auf die nächsten Events”, schrieb Ulrike. Liese meinte: “Wer bei der Hitze gelaufen wäre, selber schuld.”

Reaktion auf wenige respektlose Kommentare

Auf die sehr wenigen, respektlosen Social-media-Kommentare, wie sie heutzutage in derartigen Situationen leider üblich sind, reagierte Nico Klein an diesem Sonntag über die online-Medien mit einer weiteren Erklärung: “Bitte habt Verständnis dafür, dass uns diese Absage ebenfalls sehr schwerfällt. Wir wissen, wie viel Training, Vorfreude und persönliche Vorbereitung viele von euch in den Stadtlauf investiert haben. Genauso haben auch wir als Organisation über ein Jahr lang ehrenamtlich an dieser Veranstaltung gearbeitet. Unzählige Besprechungen, die Planung einer neuen Strecke und viele Stunden Vorbereitung waren notwendig – und nun ist all das plötzlich hinfällig. Auch für uns ist diese Situation neu. Im Moment stehen wir selbst vor vielen offenen Fragen und müssen zunächst klären, wie es weitergehen kann. Das braucht leider etwas Zeit.”

Nico Kleins Appell an die Vernunft: “Deshalb möchten wir euch bitten: Bleibt in euren Rückmeldungen respektvoll und verzichtet auf persönliche Angriffe. Kritik und Enttäuschung können wir gut nachvollziehen, persönliche Anfeindungen haben wir jedoch nicht verdient.” In einer ersten E-Mail an die Teilnehmer hatte der Verein Silvesterlauf Trier zugesichert, nach Lösungen zu suchen. “Zu diesem Versprechen stehen wir. Bitte gebt uns aber die Zeit, die wir dafür benötigen.”

Der Trierer Stadtlauf ist seit jeher für sommerliche Temperaturen bekannt. Die anhaltende Hitzewelle und die für den Wettkampftag prognostizierten extremen Wetterbedingungen mit Rekordtemperaturen ließen jedoch nur einen Schluss zu: Nach sorgfältiger Bewertung aller Umstände und Risiken war die Absage alternativlos. “Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten – insbesondere der Läuferinnen und Läufer, der zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, der Einsatzkräfte sowie der Besucherinnen und Besucher – stehen stets an erster Stelle”, hatte der Silvesterlauf-Verein nach intensiven Beratungen mit den Institutionen und Medizinern am Donnerstag unmittelbar im Anschluss an die Entscheidung mitgeteilt: in einer Medien-Information, entsprechenden E-Mails an die mit Mailadresse gemeldeten Teilnemer sowie über Social-Media-Kanäle.

Verständnis bei den Topathleten Fitwi und Ringer

Bedauern und Verständnis zugleich äußerten die Spitzenathleten Samuel Fitwi und Richard Ringer, die ihre Generalproben für den Europameisterschaftsmarathon in Trier geplant hatten. Samu, der seit 2023 den Verein Silvesterlauf Trier vertritt, war eigens zwischen zwei Höhentrainingslagern in die Heimat zurückgekehrt, um im HAFEN TRIER-Halbmarathon den 20 Jahre alten Eventrekord zu verbessern. Der amtierende Marathon-Europameister Richard Ringer hatte die Bestmarke im MVZ Mutterhaus-Lauf über 10 Kilometer angepeilt. “Samu und Ritchie hatten sich sehr auf den Trierer Stadtlauf gefreut und wären allzu gerne gestartet”, übermittelte Jörg Ullmann, Manager der beiden Laufasse. “Daher ist es extrem schade, dass das Rennen nicht stattfinden konnte.” Ullmann äußerte Verständnis und Mitgefühl in einem Schreiben an den Vorstand des Silvesterlauf-Klubs: “Ihr habt alles getan, um diese Absage zu verhindern. Manchmal muss man aber einfach akzeptieren, dass es nicht geht. Wir wünschen euch allen eine gute Erholung vom Absagestress und freuen uns schon jetzt auf einen nächsten Start bei einem Event Eures tollen Vereins.”