Samuels härtestes Rennen

Amanal Petros triumphierte und holte als Nachfolger von Richard Ringer die Goldmedaille, Samuel Fitwi vom Verein Silvesterlauf Trier kämpfte wie ein Löwe um eine Medaille und wurde Neunter unmittelbar vor Titelverteidiger Ringer. Gemeinsam verpasste das deutsche Marathon-Trio um wenige Sekunden den Mannschaftstitel bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham. Immerhin: Für den Silvesterlauf-Klub ist der EM-Medaillensatz mit dem Marathon-Teamsilber von Fitwi komplett, nachdem drei Tage zuvor Gesa Krause und Olivia Gürth Gold und Bronze über 3000 Meter Hindernis für den rheinland-pfälzischen Spitzensportklub gewonnen hatten. Kein deutscher Verein verzeichnete in der mittelenglischen Metropole während der EM-Woche eine größere Ausbeute.
„Es war das härteste Rennen in meinem Leben, ich bin total müde, habe aber für das Team durchgezogen”, sagte Samu erschöpft nach den 42,195 zermürbenden Kilometern eines brutalen Rennens, weil es auf einem extrem profilierten und mit zahlreichen rechtwinkligen Kurven gespickten 5-km-Rundkurs ausgetragen wurde. “Die Strecke bei den Olympischen Spielen in Paris war auch nicht einfach, aber nicht zu vergleichen mit dem Hoch und Runter hier in Birmingham”, so der im Dezember 2025 von Nationalteamkollege Petros als deutscher Rekordler entthronte Fitwi. Und: “Klar hätte ich auch gern eine Einzelmedaille gewonnen und habe bis Kilometer 41 alles probiert. Aber es ging einfach nicht, die Beine waren total müde. Im Team wollten wir Gold holen, können uns aber auch über Silber freuen. Denn Israel war extrem stark.“
Fast wortgleich kommentierte Amanal Petros den EM-Marathon von Birmingham – verständlicherweise gepaart mit dem verdienten Enthusiasmus des Siegers: “Das war der härteste Marathon meines Lebens, die Strecke war so eine große Herausforderung. Die vielen Kurven und Anstiege haben richtig Kraft gekostet. Aber ich habe das in Kenia schon sehr gut trainiert. Wir haben uns vorher den Kurs angeschaut und überlegt, entweder bei 25 oder 30 Kilometern zu attackieren. Nachdem ich das Tempo erhöht hatte, habe ich einfach weitergemacht.” Mit Erfolg!
Richard Ringer sagte dem Fachportal leichtathletik.de: “Leider ist bei mir ein Schmerz hinten in den Oberschenkel reingezogen. Der war so heftig, dass ich fast aufgehört hätte. Ohne Teamwertung weiß ich nicht, ob ich zu Ende gelaufen wäre.” Der Friedrichshafener, der im LC Rehlingen seine sportliche Heimat hat, fand es “sehr schade, dass es am Ende nicht ganz mit Team-Gold geklappt hat. So ist es Silber wie 2022 in München.”
Amanal Petros lieferte mit riskanter Taktik sein persönliches Meisterstück ab, indem er sich bereits nach 25 Kilometern absetzte und mit einer Tempoverschärfung der Konkurrenz enteilte. Bei der 40-Kilometer-Marke lag der Vize-Weltmeister von Hannover 96 sogar 54 Sekunden vor der Verfolgergruppe, aus der Richard Ringer gut zwei Kilometer vor dem Ziel herausfiel. Jubelnd und mit der deutschen Fahne um die Schultern passierte Petros nach 2:09:11 Stunden mit nur noch sieben Sekunden vor dem heranstürmenden Italiener Pietro Riva die Ziellinie. Riva gewann damit Silber vor dem Israeli Gashu Ayale (2:09:21). Die Deutschen Fitwi (2:09:47) und Ringer (2:10:05 h) folgten auf den Plätzen neun und zehn. Sichtlich gezeichnet von den Strapazen. Das Team-Silber im brutalsten EM-Marathon der Geschichte ist allerdings aller Ehren wert.