COUNTDOWN
000D 00H 00M 00S

Samu verliert Rekord, Gesa traurig

Das Nachsehen hatte Samuel Fitwi in Valencia hinter seinem Dauerrivalen Amanal Petros.

Die traurigen Mienen der Protagonsten vom Verein Silvesterlauf Trier wollten nicht zum Sonnenschein und der prächtigen Kulisse in der spanischen Stadt der Künste und Wissenschaften passen. Doch alles andere wäre Augenwischerei: Der Valencia-Marathon 2025 markiert für Gesa Krause und Samuel Fitwi herbe Enttäuschungen. Die zweimalige Hindernislauf-Europameisterin hatte sich ihr Debüt über die klassische 42,195-Kilometer-Distanz ganz anders vorgestellt. Sie sah ihre Hoffnungen auf eine Zeit um die 2:28 Stunden jäh zerstört, „als es sich nach 26 Kilometern anfühlte, als hätte mir jemand den Stecker gezogen“. Die große Kämpferin in ihr hatte keine Chance: „Wenn es nur noch zehn Kilometer gewesen wären, hätte ich es bis ins Ziel geschafft, aber so machte das keinen Sinn mehr. Die Erfahrung schmerzt unheimlich.“

Während bei der 33-Jährigen verständlicherweise Tränen der Enttäuschung flossen, wirkte Samuel Fitwi am Sonntagabend bereits gefasster. Sicherlich gibt es auch Schlimmeres als seine Zeit von 2:07:01 Stunden und Platz zwölf in einem Rennen der internationalen Extraklasse. Doch der amtierende deutsche Meister war Amanal Petros im elektrisierenden Duell mit dem WM-Zweiten von Tokio klar unterlegen, verlor seinen im Jahr zuvor in Valencia erzielten deutschen Rekord – und musste in der Person von Hendrik Pfeiffer (Düsseldorf) einen weiteren nationalen Rivalen auf den letzten beiden Kilometern vorbeiziehen lassen. Petros steigerte die von Fitwi 2024 an gleicher Stätte erzielte Bestmarke (2:04:56) auf 2:04:03 Minuten, war nur vom Kenianer John Korir (2:02:25) zu schlagen und blieb gerade mal 27 Sekunden über dem Europarekord des Belgiers Bashir Abdi aus dem Jahr 2021.

Der deutsche Langstreckenlauf insgesamt erlebte in Valencia eine Sternstunde. Erstmals blieben in einem Marathon vier deutsche Männer unter 2:10 Stunden. Hinter Petros, Pfeiffer (2:06:46) und Fitwi komplettierte der Regensburger Simon Boch (2:08:55) das Quartett. Samuel zeigte sich als fairer Sportsmann. „Ich hatte mir mehr erhofft, nachdem ich hervorragend trainiert hatte“, sagte Samuel mit gefasster Stimme, deren Tonlage nur bei genauem Hinhören seine Enttäuschung verriet. „Amanals Leistung war außerordentich. Ich gratuliere ihm herzlich zu seinem grandiosen Rennen und freue mich aber schon auf den nächsten Vergleich mit ihm.“ Bis kurz vor der 30-Kilometer-Marke war für den Silvesterläufer noch alles nach Plan gelaufen, “aber dann hat mir Amanal mit seiner Tempoverschärfung den Zahn gezogen”. Petros lief die zweite Hälfte des Marathons fast unglaublich um deutlich mehr als eine Minute schneller als die erste Hälfte.

Zur Mitte des Rennens hatte es für Gesa Krause ebenfalls verheißungsvoll ausgesehen: Ihre Durchgangszeit von 1:13:36 Stunde lag genau im Zeitfenster, das nach der jüngsten Leistungsdiagnostik angepeilt worden war. Gründe für den Einbruch waren in der ersten Analyse nicht zu identifizieren. Auch Trainer Wolfgang Heinig, der seiner Topathletin in Valencia zur Seite stand, fand keine sichere Erklärung. Gesa wirkt auch an diesem Montag ratlos. “Ich wünschte ich hätte eine Erklärung, warum mein Körper ab Kilometer 26 plötzlich gestreikt hat. Warum ich so früh nicht mehr auf Kurs bleiben konnte”, schreibt sie auf Instagram. “Bin ich zu ,schwach` für Marathon? Waren elf Wochen zur Vorbereitung einfach zu kurz? Oder war es einfach nicht mein Tag?”

Für Gesa Krause und Samuel Fitwi steht in diesem Jahr noch das traditionelle Heimspiel auf dem Trierer Hauptmarkt an Silvester an. „Vielleicht überrasche ich mich selbst und die Zuschauer ja diesmal beim Silvesterlauf“, sagte Gesa, „ein bisschen Ruhe, und dann ein, zwei schnelle Einheiten – mal sehen, was dann dabei rauskommt“. Platz drei ist ihre bislang beste Platzierung im Sparkasse Trier-Elitelauf über die 5 Kilometer durch die Altstadt. Die Konkurrenz am 31. Dezember ist bei den Frauen – u.a. sind die Siegerinnen von 2023 (Lisa Rooms/Belgien) und 2024 (Emelyne Imanizabayo/Ruanda) am Start – vergleichbar hochkarätig wie bei den Männern. Im Bitburger 0,0%-Lauf der Asse trifft Samuel Fitwi auf eine ganze Reihe von Spezialisten über die 5-km-Distanz, darunter die vier Erstplatzierten des Vorjahres. Titelverteidiger Mike Foppen (Niederlande) führt die Setzliste vor Max Thorwirth (Düsseldorf), Nils Voigt (Wattenscheid) und Kifele Kefyalew (Äthiopien) an.

Gesa Krause in der Anfangsphase des Rennens, neben ihr im roten Trikot ihr Tempomacher Nick Ihlow.