Samu: Trier ist Heimat

Wenige Tage sind es noch bis zum 40. Trierer Stadtlauf, dann wird Marathon-Ass Samuel Fitwi als Primus inter Pares an der Startlinie zum HAFEN TRIER-Halbmarathon stehen, als einer von rund 2000 Läuferinnen und Läufern, die am Morgen des Altstadtfest-Sonntags um 8.20 Uhr die Traditionsstrecke von 21,0975 km in Angriff nehmen. Samuel Fitwi will den 20 Jahre alten Trierer Stadtlauf-Rekord des Kenianers Mark Kiplagat (63:28 Minuten) aus den Listen löschen. Ein Interview mit dem Ausnahme-Athleten vom Verein Silvesterlauf Trier vor seinem Heimrennen:
Samuel, was bedeutet für dich, Heimat?
Samuel: Das ist dort, wo ich mich wohlfühle, wo Familie und Freunde sind. Der größte Teil davon ist in der Vulkaneifel und in Trier. Deshalb freue ich mich auch so sehr auf alle Heimrennen in Trier, wie in der Vergangenheit beim Flutlichtmeeting und dem Silvesterlauf – und jetzt kommt der Stadtlauf dazu.
Deine Wurzeln liegen in Ostafrika, genauer in Eritrea….
Samuel: Meine Eltern und Geschwister leben auch jetzt noch dort. Ich habe das Land im November 2013 verlassen, im September 2014 kam ich in Deutschland an. Für mich persönlich hätte ich keine bessere Entscheidung treffen können.
Deine dramatische Geschichte ist verfilmt worden (die Doku ist in der ARD-Mediathek abrufbar). Mit dem Laufen hast du aber erst in Deutschland begonnen.
Samuel: Ja, das stimmt. Vom Fußball haben sie mich zum Training bei der LG Vulkaneifel geschickt. Meinem Freund Yannik Duppich und Mentor Jörg Ullmann verdanke ich letztlich meinen Weg zum Laufprofi. Es gab so viele, die mir geholfen haben, nicht zuletzt die Familie Linden, die mir ein zu Hause gab. Ich kann gar nicht alle aufzählen. Nach meinem Wechsel zum Verein Silvesterlauf Trier 2023 startete ich meine Marathon-Karriere. Die Region Trier hat mir alles ermöglicht, die andere Kultur zu erlernen und mich weiter zu entwickeln. Ohne die großartigen Menschen hier wäre ich niemals der geworden, der ich jetzt bin. Mein Start bei diesem Heimrennen in Trier soll auch sagen: Danke!
Der Hafen Trier-Halbmarathon ist deine Generalprobe für den EM-Marathon in Birmingham im August, wo du im deutschen Team mit Titelverteidiger Richard Ringer und Amanal Petros antrittst. Wie läuft die Vorbereitung?
Samuel: Die Europameisterschaft ist das große Saisonziel. Ein Medaillengewinn, wie er dem Trierer Herbert Steffny vor 40 Jahren gelang, wäre auch für mich ein Traum. Wenn ich auf dem Weg dorthin den Stadtlaufrekord einsammeln könnte… why not?
Ist das realistisch, obwohl du mitten in der EM-Vorbereitung steckst? Erst unmittelbar vor dem Stadtlauf-Wochenende kommst du aus Äthiopien nach Deutschland zurück, und direkt danach geht’s weiter ins nächste Höhentrainingslager nach St. Moritz.
Samu: Ich hoffe schon und bin auch optimistisch, den Rekord zu knacken. Das Training lief gut zuletzt in Addis Abeba, das nötige Tempo habe ich in der Höhe trainiert. Zum Beispiel eine große Serie von 400-Meter-Läufen in jeweils 66 bis 67 Sekunden mit kurzen Pausen. Oder zuletzt 12 × 1000 Meter zwischen 3:00 und 2:55 Minuten.
Könnten dich die möglichen hochsommerlichen Temperaturen am 28. Juni bremsen?
Samuel: Das sollte nicht entscheidend sein, denn der Start ist schon kurz nach 8:00 Uhr am Morgen. Mein Tipp deshalb an alle, die den Halbmarathon bestreiten: Auf jeden Fall genug trinken und keinesfalls beim Anfangstempo überziehen. Ich freue mich darauf, mit euch an der Startlinie zu stehen!
Das Interview führte Berthold Mertes.