Samu: EM-Metall im Blick

Im November 2013 verließ Samuel Fitwi sein Geburtsland Eritrea. Im September 2014 kam er in Deutschland an, ab 2015 lebte er bei der Familie Linden in Stadtkyll. Nach ein bisschen Fußballtraining wurde Samus Lauftalent vom Gerolsteiner Lauftrainer Yannik Duppich erkannt, der ihn über die deutsche bis in die internationale Spitze führte. Der Hillesheimer Jörg Ullmann managt seit Jahren den Weg des gebürtigen Ostafrikaners, der erst in der Eifel seine Liebe zum Laufen entdeckte. 2023 startete Samu beim Verein Silvesterlauf Trier in seine Marathon-Karriere, 2026 steht der inzwischen 30-Jährige im Deutschland-Trikot bei den Leichtathletik-Europameisterschaften als Mitfavorit an der Startlinie zur Medaillenvergabe über die klassische 42,195-Kilometer-Distanz (Start 9.10 Uhr MESZ / live in der ARD). Duppich und Ullmann sowie Freunde sind an der Strecke.
In der Höhenlage von St. Moritz hat Samuel Fitwi gemeinsam mit Titelverteidiger Richard Ringer (LC Rehlingen) in den vergangenen Wochen rote Blutkörperchen “getankt”, um gemeinsam mit Ringer und dem aktuellen deutschen Rekordhalter Amanal Petros (Hannover 96) das Team-Gold für Deutschland zu gewinnen. “Ich habe sehr gut trainiert und bin im Kopf ganz klar”, sagt Samu. Mit seiner Zeit vom Hamburg-Marathon im April, wo er in 2:04:45 Stunden Zweiter wurde, führt der Trierer Silvesterläufer nicht nur die deutsche Jahresbestenliste 2026, sondern auch die Meldeliste an. Deshalb bekommt er, genauso wie Titelverteidiger Ringer (2022 siegte er in München) eine farbig gekennzeichnete Startnummer.
Druck, Verpflichtung oder Ansporn? Sicherlich von allem etwas. Jedenfalls: “So etwas hätte ich mir vor vier Jahren noch nicht träumen lassen”, äußert Samu ein Gefühl der großen Zufriedenheit mit seiner Entwicklung. Bei der Heim-EM vor vier Jahren lief er die 10.000 Meter und wurde Neunter). Jetzt zählt er wie seine Teamkollegen auch in der Einzelwertung zu den Kandidaten auf Edelmetall. Ringer lief dieses Jahr in Boston 2:04:47 Stunden, also nur zwei Sekunden langsamer als der Trierer Ausnahmeathlet in Hamburg. Ringers Zeit taucht jedoch nicht in der Liste auf, weil Boston als Punkt-zu-Punkt-Strecke nicht rekordtauglich ist.
Brutal ist die Streckenführung, mehr als 600 Meter Höhenunterschied sind auf den 42,195 Kilometer zu bewältigen, die auf einer 5-km-Runde mit Start und Ziel auf dem zenralen Victoria Square gelaufen wird. Sie ist extrem unrhythmisch und anspruchsvoll mit Steigungen von bis zu zwölf (!) Prozent. Richard Ringer hat sein Vorbereitungstraining am intensivsten mit vielen profilierten Läufen auf die Besonderheit des Parcours ausgerichtet. Samuel ist das Training auf hügeligen Strecken aus Äthiopien gewöhnt, wo er die meisten seiner Höhentrainings in den vergangenen Jahren absolviert hat.
Die Laufgemeinde der Region Trier wird sich am Sonntag (Start 9.10 Uhr/live in der ARD) sicherlich vor den Fernsehgeräten versammeln, um ihrem Marathon-Aushängeschild die Daumen zu drücken.
Die Meldeliste für den EM-Marathon:
