Gold, Gold, Silber für Trier

Gold plus Gold und Silber, damit die bestmögliche Ausbeute: Die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2026 im Wattenscheider Lorheidestadion haben für den rheinland-pfälzischen Spitzensportverein Silvesterlauf Trier und seine drei Ausnahmekönnerinnen eine historische Dimension. Mit der optimalen Ausbeute traten die Hindernis-Asse Gesa Krause und Olivia Gürth sowie 5000-Meter-Läuferin Vanessa Mikitenko an diesem Sonntag die Heimreise von den nationalen Titelkämpfen in dem Bochumer Stadtteil an. Alle drei schöpfen daraus viel Zuversicht für die Europameisterschaften in Birmingham (10. bis 16. August).
Das Finale über 3.000 Meter Hindernis der Frauen entwickelte sich zu einem Steigerungslauf. Auf dem ersten Kilometer (3:19 Minuten) warteten die Favoritinnen ab. Dann ergriff Lea Meyer (VfL Löningen) die Initiative und führte auf dem zweiten Kilometer (3:08) ein Spitzentrio an. In der Schlussrunde war es dann die Trierer Athletin Gesa Krause, die unwiderstehlich zum Sieg in Meisterschaftsrekordzeit (9:24,40) davonzog. Den Schlusskilometer absolvierte die zweimalige Europameisterin in 2:57 Minuten. In ihrem Schlepptau lief ihre Silvesterlauf-Vereinskollegin Olivia Gürth zu Silber (9:27,08) vor der früheren Vizeeuropameisterin Lea Meyer (9:30,96). Für Krause war es der zehnte deutsche Meistertitel im Dress des Vereins SIlvesterlauf Trier, für den sie seit 2017 startet, über ihre Spezialdistanz 3000 Meter Hindernis DM-Titel Nummer sieben.
Nach dem Zieleinlauf setzte sich Gesa eine von einem Zuschauer gereichte symbolische Krone auf. Die Königin von Wattenscheid! Vor dem Rennen sei sie extrem angespannt gewesen, verriet die deutsche Rekordlerin anschließend: “Für mich gab es nur das Ziel, den Titel zu gewinnen.” 2021 war ihr das letztmals bei einer Freiluft-DM gelungen; nach der Geburt ihrer im April 2023 geborenen Tochter Lola hatte Gesa 2024 mit EM-Silber in Rom ein glänzendes Comeback abgeliefert. Anschließend wurde sie DM-Zweite – umgekehrt wie diesesmal im Ziel hinter Olivia Gürth, erreichte jedoch auch bei ihrer vierten Olympiateilnahme das Finale. 2025 fehlte sie verletzungsbedingt bei den “Deutschen”, in Tokio schaffte die zweimalige WM-Dritte jedoch auch bei ihrer siebten WM-Teilnahme das Finale.
Kein Wunder, dass Gesa betont, sie müsse niemandem mehr etwas beweisen außer sich selbst. Ihre aktuelle Form ist glänzend. “Ich bin sehr, sehr froh, dass ich nach vier Jahren endlich wieder Deutsche Meisterin werden konnte”, sagte sie. Und räumte ein: “Es war ein schwieriges Rennen, gerade im Vorfeld. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich das Rennen am besten angehe. Ich hatte aber gehofft, meine Stärken vor allem auf dem letzten Kilometer ausspielen zu können.” Der Blick der Europameisterin von 2016 und 2018 richtet sich nun nach vorne: “Das Rennen gibt mir viel Zuversicht für die EM in zwei Wochen. Die Zeit heute war für mich tatsächlich zweitrangig. Viel wichtiger war es, den Titel zu holen – genau das ist mir gelungen”, bilanzierte sie. Mit dem entschlossenen Schlusskilometer hat sie neben ihrer körperlichen Topverfassung auch ihre mentale Stärke einmal mehr bewiesen. Die EM kann kommen. Nicht nur für sie.
Olivia Gürth ist wieder da
Denn das gilt auch für Olivia Gürth. Nach mehreren enttäuschenden Rennen zu Saisonbeginn ließ die 23-Jährige überraschend Lea Meyer hinter sich. Die U23-Europameisterin von 2023 meinte: “Ich wusste, dass Gesa früher oder später ihren Antritt setzen würde. Ich bin stolz darauf, dass ich versucht habe, mitzugehen.” Sie lobte Gesa als “einfach unglaublich stark” und blickte gelöst voraus: “Dass ich jetzt mit der EM planen kann, ist eine große Erleichterung. Dort heißt es zunächst einmal, den Vorlauf zu überstehen.” Wolfgang Heinig, Trainer der beiden Aushängeschilder, wirkte ebenfalls von Zentnerlasten befreit und erfreut darüber, “dass sich Olivia jetzt auch wieder auf dem aufsteigenden Ast befindet”.
Vanessa Mikitenko erstmals Meisterin für Trier
Vanessa Mikitenko hatte tags zuvor das erste Kapitel der Trierer Erfolgsgeschichte von Wattenscheid geschrieben. Die 21-Jährige, die seit dieser Saison für Trier startet, gewann über 5000 Meter souverän ihren ersten deutschen Meistertitel bei den Frauen. “Der Plan ist heute perfekt aufgegangen – so wie ich es mit erträumt hatte”, sagte die U23-Vizeeuropameisterin von 2024. Sie darf nun ziemlich sicher sein, im Lauf der Woche wie Krause und Gürth vom Deutschen Leichtahletik-Verband für die EM in Birmingham nominiert zu werden. O-Ton Vanessa: “Die Stimmung bei dieser DM war großartig, so laut!!!”, lobte sie das Publikum in der mit 14.000 Zuschauern gut gefüllten, runderneuten Arena. Und fiebert nun ihrer EM-Nominierung entgegen.
Bis über beide Ohren strahlend zeigte sich Vanessa mit ihrer Mutter auf der Stadiontribüne. Irina Mikitenko hatte vor 20 Jahren den letzten ihrer drei nationalen Titel über 5000 Meter gewonnen. Sie hält seit 2008 den deutschen Rekord im Marathon (2:19:19 Stunden). Zweimal gewann sie den London-Marathon, einmal in Berlin – und holte sich zweimal den Gesamtsieg in der World Marathon Majors-Serie.
Fotos: Theo Kiefner / Berthold Mertes




