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Gold-Gesas Lebenswerk

Stolz präsentiert Gesa Krause in der Nacht von Birmingham ihr drittes EM-Gold. (Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Mayer)

Bis halb zwei in der Nacht wurde im ON House gefeiert. Gold für Hindernis-Queen Gesa Krause, Bronze für Olivia Gürth: Für die beiden Topathletinnen des Vereins Silvesterlauf Trier sind bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham Träume in Erfüllung gegangen. Die Dimension ihres dritten EM-Titelgewinns über 3000 Meter Hindernis spiegelte sich in Gesas spontaner Äußerung direkt nach dem Triumph im Alexander Stadium der mittelenglischen Metropole. “Ich habe mir mein sportliches Lebenswerk geschaffen.” Wohl wahr: Dreimal Europameisterin, zweimal WM-Dritte, viermal im Olympia-Finale, deutsche Rekordlerin. Das ist Leichtathletik-Geschichte.

Die 34-Jährige sicherte sich am späten Donnerstagabend zehn Jahre nach ihrem ersten EM-Titel die Goldmedaille Nummer drei. Was vor ihr keiner Athletin bei Europameisterschaften gelungen ist. “Jeder EM-Titel hat seine eigene Geschichte. Berlin 2018 war im eigenen Stadion natürlich wirklich besonders”, blickte sie zurück: “Ich bin schon so viele Jahre dabei und weiß auch, dass solche Momente immer rarer werden. Deswegen bin ich einfach sehr, sehr stolz auf den heutigen Tag und darauf, nach acht Jahren wieder ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen.”

Grund zum Jubeln hatte auch die zweite Athletin des Vereins Silvesterlauf Trier: Olivia Gürth gewann Bronze, hinter ihr wurde Lea Meyer (VfL Löningen) trotz eines Sturzes im am hochkarätigsten besetzten Hindernis-Finale der EM-Geschichte immerhin Vierte. “Es tut mir unfassbar leid, dass Lea gestürzt ist. Ich war auch schon in der Situation und das wünscht man niemandem”, äußerte Gesa Mitgefühl mit dem Missgeschick der nationalen Konkurrentin, die nach langer Führungsarbeit am letzten Wassergraben bereits hinter der deutschen Rekordlerin gelegen hatte.

Olivias Plan ging auf: “Der war, so viele wie möglich hinter mir zu lassen”, sagte sie, “und wie viele es am Ende sind, sehe ich im Ziel”. Überglücklich ergänzte die U23-Europameisterin von 2023: “Insgeheim habe ich ein bisschen auf eine Medaille spekuliert. Ich wusste, beim richtigen Rennverlauf kann es passieren.” So kam es.

Das Dauerlächeln in den Gesichtern von Olivia Gürth und Gesa Krause noch weit nach Mitternacht in der Vor-Ort-Präsenz ihres Ausrüsters ON spiegelte die Momente des Glücks im Kreis von “families & friends” der beiden Spitzenathletinnen. Das Schweizer Sportartikelunternehmen hatte spontan nach den Wettkämpfen noch einmal die Türen seiner Athleten-Lounge im Stadtzentrum von Birmingham geöffnet.

An diesem Freitag treffen sich die Protagonistinnen mit ihrem Trainer Wolfgang Heinig sowie Freunden und Familien auf Einladung des Trierer Silvesterlauf-Vereins im Malt House, einem rustikalen Pub am Canal der früheren Industrie-Metropole, um miteinander anzustoßen. Auch mit Vanessa Mikitenko, der Jüngsten im Trierer Eliteteam. Der 21-Jährigen war am Dienstag als 14. über 5000 Meter ein gelungenes Debüt auf der großen Meisterschaftsbühne gelungen. Sie bringt ihren Partner Amadeus Gräber mit, der parallel zum Hindernisfinale der Frauen am Donnerstagabend seinen Weg zum hervorragenden achten Platz im Zehnkampf geebnet hatte. Auch er, der sein Talent bereits als U18- und U20-Europameister bewiesen hat, ist ein junger Mann mit großer Zukunft in einer großen deutschen Disziplin: Leo Neugebauer und Niklas Kaul holten in Birmingham Gold und Silber im Zehnkampf.

“Für uns als Verein ist Birmingham eine Sternstunde”, ordnete Silvesterlauf-Sportdirektor Berthold Mertes den doppelten Medaillengewinn als bislang größten Tag für den rheinland-pfälzischen Spitzenklub ein. Die Erfolgsgeschichte hatte ihren Auftakt mit dem Zugang von Gesa Krause im Jahr 2017 begonnen. Die inzwischen 14-malige deutsche Meisterin, die schon als Jugendliche regelmäßig am Trierer Silvesterlauf teilgenommen hatte, wechselte damals von Eintracht Frankfurt zum Mosel-Klub.

Seit 2024 vertritt Olivia Gürth das Team mit der Hauptmarkt-Kulisse im Vereinslogo. Der Trierer Verein hatte damals den Verbleib der aus Diez stammenden Athletin im Leichtathletik-Verband Rheinland ermöglicht. Überglücklich umarmte Olivia, mit der Deutschland-Fahne über den Schultern, nach der Ehrenrunde im Stadion ihre Mutter. Derweil hüpfte Gesas Tochter Lola, wie stets im Stadion in ihrem grünen Silvesterlauf-Shirt jüngster Fan ihrer Mutter, munter auf der Tribüne umher. Kurz danach brachte Papa Robert die Dreijährige an den Rand der Bahn. Gibt es schönere Fotos fürs Familienalbum?

Das EM-Finale von Birmingham in Zahlen:

1. Gesa Krause (Deutschland/Silvesterlauf Trier) 9:12,69 Minuten, 2. Alice Finot (Frankreich) 9:14,24, 3. Olivia Gürth (Deutschland/Silvesterlauf Trier) 9:15,33, 4. Lea Meyer (Deutschland/VfL Löningen) 9:17,07, Elise Thorner (Großbritannien) 9:18,14

Holen Gold und Bronze für Deutschland: die beiden Topathletinnen des Vereins Silvesterlauf Trier
Lola gefällt Gesas drittes EM-Gold offenbar besonders.
Auch sein Meisterwerk: Wolfgang Heinig hat in Birmingham zwei Athletinnen aufs Podium geführt… hier beim Treffen im ON House mit beiden kurz nach Mitternacht