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Vier EM-Asse im Ärmel …

Gesa Krause, Olivia Gürth (halb verdeckt) und Lea Meyer vertreten in Birmingham die deutschen Farben im Hindernislauf.

Für den Verein Silvesterlauf Trier geht es in Birmingham bei den Leichtathletik-Europameisterschaften schon an diesem Montag los (22 Uhr: Vorlauf 3000 Meter Hindernis/live in der ARD). Gesa Krause und Olivia Gürth starten dann in den Vorläufen. “Die Konzentration ist da. Wir werden die Aufgabe schon lösen”, sagte Gesa am Sonntagabend im Athletenhotel. Die jeweils zweimalige Europameisterin und WM-Dritte ist die erfahrenste der drei Trierer Athletinnen, die in der zweitgrößten britischen City die deutschen Farben und auch die der Moselhauptstadt vertreten. Zum starken Trio der deutschen Hindernisläuferinnen ist Lea Meyer (VfL Löningen), EM-Zweite von 2022, zuletzt aber Dritte der nationalen Titelkämpfe hinter den beiden Silvesterläuferinnen, zu denen mit Jahresbeginn auch Vanessa Mikitenko gestoßen ist. Sie freut sich nach ihrem ersten deutschen Titelgewinn bei den Frauen, erstmals auf der großen kontinentalen Bühne auftreten zu dürfen. Am Dienstag (20.25 Uhr/live im ZDF) steht die 21-Jährige im Finale über 5000 Meter – mit 25 Konkurrentinnen an der Startlinie. Eine große Herausforderung für die U23-Vizeeuropameisterin.

Der Silvesterlauf-Verein hat in Birmingham noch ein viertes Ass im Ärmel: Am Schlusstag gehört die EM-Bühne dann allein den Marathonläufern: mit Samuel Fitwi vom Verein Silvesterlauf Trier in der Rolle eines Mitfavoriten.

In seiner in der Lokalzeitung Trierischen Volksfreund erschienenen EM-Vorschau schreibt Leichtathletikexperte Holger Teusch:

Trier vier, Berlin fünf, mit nur einem Teilnehmer mehr als die Moselmetropole sind die Vereine der Hauptstadt bei der EM vertreten. Dank Gesa Krause, Olivia Gürth, Vanessa Mikitenko und Samuel Fitwi, die alle beim Silvesterlauf-Verein beheimatet sind, ist Trier zu einem Schwergewicht bei den leichten Läufern geworden. Und die Medaillenchancen sind so gut wie nie zuvor. Wir haben beim EM-Quartett nachgefragt.

Gesa Krause: Zehn Tage nach ihrem 34. Geburtstag will Gesa Krause am 13. August in Birmingham ihre fünfte EM-Medaille. „Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich will Vierte werden“, sagt die amtierende Vizeeuropameisterin. Seit ihrem siebten nationalen Titelgewinn über 3000 Meter Hindernis Ende Juli steckt die Mutter einer dreijährigen Tochter wieder im normalen Familienalltag. „Es läuft alles nach Plan“, erzählt sie, „die Tage sind wie immer voll und intensiv. Das Leben ist nicht ruhig.“

Als Krause 2016 und 2018 Europameisterin wurde, gab es für sie ausschließlich den Sport. Jetzt wuselt die kleine Lola herum. Das bringt Krause aber offensichtlich mehr Energie als es kostet: dreimal lief sie in der aktuellen Bahnsaison persönliche Bestzeiten und erzielte in ihrer Spezialdisziplin mit 9:07,50 Minuten ihre bisher zweitbeste Zeit. Nur als WM-Dritte 2019 war sie mit deutschem Rekord von 9:03,30 Minuten schneller. Mit so starken Vorleistung wie dieses Jahr ist Gesa Krause seit ihrem Debüt in der Senioren-Nationalmannschaft 2011 noch nie in eine internationale Meisterschaft gegangen. Satt ist sie längst noch nicht. Ihren deutschen Rekord würde sie gerne verbessern und Medaillen gewinnen. Beweisen müsse sie zwar sich und niemand anderem etwas, „aber ich möchte es. Ich habe einfach Lust und das Feuer brennt noch in mir und das Gefühl: Ich gehöre genau da hin!“

Krause rechnet damit, dass das Hindernislauf-Finale in Birmingham schneller wird als die bisherigen: „Wir sind vier Mädels mit Bestzeiten unter 9:10 Minuten. Es ist aber eine Meisterschaft ohne Tempomacher. Je nachdem wie das Rennen verläuft, haben auch andere die Möglichkeit vorne mitzulaufen. Man muss für alles vorbereitet sein – und das bin ich.“

Olivia Gürth: Eine, die im Endspurt nie zu unterschätzen ist, ist Krauses Silvesterlauf-Vereinskameradin Olivia Gürth. Das Duo absolvierte am vergangenen Mittwoch gemeinsam die letzte Tempoeinheit und stand bei den Deutschen Meisterschaften als Erst- und Zweitplatzierte auf dem Podium. „Erst bei der Auswertung wurde mir bewusst, dass der letzte Kilometer unter drei Minuten war. Gesa folgen zu können mit dem Wissen über die Rolle, die sie bei der EM spielen kann“, erzählt die 24-Jährige.

Zuerst steht der Vorlauf auf dem Programm. Die Pflicht. „Vor zwei Jahren bin ich gestützt und habe es spannend gemacht“, erinnert sich Gürth. „Den Vorlauf darf man nicht unterschätzen, aber der Fokus liegt natürlich auf dem Finale. Ich erwarte, dass es schneller wird, als bei der DM und werde versuchen mitzurollen. Und dann mal gucken, was in der letzten Runde geht.“

Vanessa Mikitenko: Die jüngste Spitzenläuferin des Vereins Silvesterlauf Trier feiert in Birmingham über 5000 Meterihr Debüt bei einer internationalen Meisterschaft der Senioren. „Ich bin super glücklich, dass ich es geschafft habe. Das war für mich nicht selbstverständlich“, sagt Vanessa Mikitenko. Die 21-Jährige hat sich als nationale Titelträgerin über das Rankingsystem für die EM qualifiziert. „Ich habe nichts zu verlieren. Ich fände es cool, wenn ich es schaffe, um eine neue Bestzeit zu laufen.“ Mit ihrem Hausrekord von 15:18,77 Minuten steht Mikitenko im Mittelfeld der 26 gemeldeten 5000-Meter-Läuferinnen.

Samuel Fitwi: Seine erste internationale Einzelmedaille im Seniorenbereich ist das klare Ziel von Marathonläufer Samuel Fitwi. Der 30-Jährige führt mit 2:04:45 Stunden die Meldeliste an. „Aber Samu hat harte Konkurrenz, insbesondere aus dem eigenen Land“, gibt Manager und Freund Jörg Ullmann zu bedenken. Mit Titelverteidiger Richard Ringer (LC Rehlingen) hat Fitwi zuletzt etliche Trainingseinheiten in der Höhe von St. Moritz absolviert. Am Donnerstag geht es aus der Schweiz direkt nach Birmingham. Zum deutschen Team gehört außerdem Vizeweltmeister Amanal Petros (Hannover 96), der wie Fitwi aus Eritrea geflüchtet ist und in Deutschland mit dem Laufen begann – auch Petros ist Mitfavorit.

Die 42,195-Kilometer-Strecke von Birmingham erinnert an den Olympia-Parcours von Paris 2024. Allerdings noch profilierter und damit härter als Paris mit seinen 400 Höhenmetern. Birmingham hat mehr als 600 Höhenmeter im Profil. Dass Fitwi Berge laufen kann, hat der ehemalige U-23-Vizeeuropameister im Crosslauf aber bereits bei den Olympischen Spielen 2024 gezeigt, als er knapp hinter Ringer zweitbester Deutscher war. Eine Medaille mit dem Team ist fest eingeplant. Die goldene scheint möglich.

So standen sie vor zwei Wochen bei den deutschen Meisterschaften nebeneinander an der Startlinie: Gesa Krause, Lea Meyer und Olivia Gürth.