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Amy hilft Olivia in die Spur

Hündin Amy spendete Olivia Gürth Trost, als es zwischenzeitlich mal nicht so gut lief. (Screenshot Instagram)

Nach der letzten wichtigen Tempoeinheit vor der EM ging es für Olivia Gürth von Frankfurt erst einmal ins heimische Diez. „Wenn kein Training in Frankfurt ist, flüchte ich zu meinen Eltern. Da ist es angenehmer, als in Frankfurt“, erzählte die 24-Jährige dieser Tage im Gespräch mit Holger Teusch, dem Leichtathletikexperten vom Trierischen Volksfreund. Ihre kleine Wohnung in der Mainmetropole heizt sich diesen Sommer besonders auf und das macht Gürth zu schaffen – und noch mehr ihrer Hündin Amy. Es tue schon weh, zu sehen, wie das Tier hechelnd mit den hohen Temperaturen in der Wohnung zu kämpfen habe, sagt Gürth.

Auch deshalb ging es kurz vor dem Abflug zur Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham (Großbritannien, 10. bis 16. August) noch einmal an die Lahn. Wie sehr Amy der deutschen Vizemeisterin im 3000 Meter-Hindernislauf hilft, mit dem Druck im Leistungssport umzugehen, beschrieb Gürth kürzlich in einem Instagram-Beitrag. „Der Sport ist nicht immer leicht, hat Tiefs und Hochs, es geht um Leistung, man wird immer wieder bewertet und verglichen“, schrieb sie. Amy erdet die Spitzenläuferin und gibt Halt, wenn es mal nicht so läuft wie erhofft.

So wie zu Saisonbeginn. Es war ein „Stotterstart“ in ihre dritte Saison für den Verein Silvesterlauf Trier. Im Januar 2024 war sie von ihrem Stammklub Diezer TSK Oranien zum rheinland-pfälzischen Leichathletik-Spitzenverein an die Mosel gewechselt, dessen Farben Hindernis-Star Gesa Krause bereits seit 2017 vertritt. „Es ist wichtig, gleich zu Anfang der Saison gute Zeiten vorzulegen“, hatte sie noch Anfang Mai gesagt. Doch dann blieb sie bei drei Rennen über 3000 Meter Hindernis hinter den Erwartungen – auch ihrer eigenen. Selbst die EM-Bestätigungsnorm, die rund 20 Sekunden über Gürths Bestzeit von 9:15,17 Minuten lag, konnte sie nicht abhaken. Druck gehört zum Profisport.

Trainer Wolfgang Heinig zog die Reißleine: keine Wettkämpfe, dafür ab ins Höhentraining nach St. Moritz. „St. Mortiz ist mein Lieblingsort“, sagt Gürth. Wichtig auch: „Amy kann ich nicht mitnehmen, wenn wir fliegen.“ Nach St. Moritz ist die Anreise mit dem AUto kein Problem. Und selbstverständlich kommt der Golden Retriever mit in die Ferienwohnung. „Es ist ein Alltag wie zu Hause, nur viel schöner und nicht bei 40 Grad. “Der Tag fängt morgens mit einem Spaziergang an“, erzählt die Diezerin.

Die Rückkehr ins Training mit Wohlfühlfaktor wirkten: Mitte Juli erfüllte Gürth die EM-Norm mit 9:21,73 Minuten. Bei den nationalen Titelkämpfen sicherte sie hinter Krause den Vizetitel und ließ sogar Lea Meyer, die ehemalige Vize-Europameisterin vom VfL Löningen, hinter sich.

In Birmingham heißt es am Montag (22 Uhr) erst einmal den Vorlauf zu meistern. „Vor zwei Jahren bin ich gestützt und habe es spannend gemacht“, erinnert sich Gürth. „Den Vorlauf darf man nicht unterschätzen, aber der Fokus liegt auf dem Finale am Donnerstag (21.29 Uhr/live im “Öffentlich-Rechtlichen”). Ich erwarte, dass es schneller wird als bei der DM. Ich werde versuchen mitzurollen und dann mal gucken, was in der letzten Runde geht“, spielt die ehemalige U20- und U23-Europameisterin auf ihre Spurtstärke an, mit der sie im Endlauf am Donnerstag (21.29 Uhr) die Favoritinnen vielleicht überraschen kann. Dass Olivia für Überraschungen gut ist, hat sie 2024 schon einmal gezeigt. Damals schnappte sie Gesa Krause im Endspurt den deutschen Meistertitel weg. Dank Amy hat Olivia die Kurve gekriegt – und womöglich ist ihr die Rolle als Außenseiterin auf den Leib geschneidert.

DM 2024 in Braunschweig: Olivia Gürth siegt vor Klubkollegin Gesa Krause. (Foto: Gladys Chai von der Laage)
DM 2026 in Bochum: Erneuter Doppelsieg für den Silvesterlauf-Verein, Gesa Krause vor Olivia Gürth. (Foto: Theo Kiefner)