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Samuel plant mit Marathon-DM

Der deutsche Marathon-Rekordler Samuel Fitwi plant für das Jahr 2025 mit einem Start bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften in Hannover – und womöglich schickt sein Verein Silvesterlauf Trier dann auch ein Team mit Medaillenambitionen ins Rennen. „Mein Ziel für 2025 war neben einer möglichen Teilnahme bei den Weltmeisterschaften in Tokio ein Start bei einem großen, prestigeträchtigen City-Marathon in Deutschland“, erklärte der Olympia-15. vom Verein Silvesterlauf Trier bei seiner Vorstellung in Hannover, wo er beim ADAC-Marathon am 6. April den Streckenrekord von Amanal Petros unterbieten möchte. Die nationale Titeljagd wird wie 2024 in der niedersächsischen Landeshauptstadt ausgetragen.

„Ich freue mich darauf, nun Jagd auf den deutschen Meistertitel zu machen und auch den Streckenrekord des Vorjahressiegers Amanal Petros ins Visier zu nehmen“, sagte Fitwi. Die Rekordmarke steht seit April 2024 bei 2:06:05 Stunden. Beim Marathon in Valencia hatte Samuel in 2:04:56 Stunden die zuvor von Petros gehaltene nationale Bestmarke um zwei Sekunden verbessert.

Der Trierische Volksfreund blickt in seiner Ausgabe von diesem Freitag in einer Reportage auf der ersten Sportseite auf den großen Coup des 28-Jährigen zurück, der erst nach seiner Flucht aus Eritrea 2015 in Deutschland mit dem Laufen begonnen hatte:

Es waren dramatische Sekunden auf dem blauen Teppich von Valencia, den letzten hundert Metern des Marathons in der drittgrößten Stadt Spaniens. „Als es auf den blauen Teppich ging, wurde es richtig laut. Ich habe die Sekunden auf der Uhr im Ziel gesehen: 33, 34“, erzählt Samuel Fitwi. Da wusste er: Sein Ziel, eine Marathonzeit im Bereich von zwei Stunden und fünf Minuten erreicht er sicher. Vielleicht sogar darunter – und dann ist das vielleicht deutscher Rekord! „Ich habe einfach alles gegeben“, sagt der 28-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier, wie er in Sprintermanier Vorjahressieger Sisay Lemma aus Äthiopien hinter sich lässt. „Dann habe ich 52, 53 auf der Uhr gesehen und gewusst: Es reicht!“ Der einstige Flüchtling aus Eritrea, der erst in der Vulkaneifel mit dem Laufen begonnen hat (siehe Info), verbessert nicht nur seine persönliche Bestzeit um eineinhalb Minuten auf 2:04:56 Stunden, sondern auch den bisherigen deutschen Rekord um zwei Sekunden.

Als Fitwi das erzählt, sitzt er bei einem Cappuccino in einer Filiale der Bäckerei Roden Brot in Daun. Entspannt, frisch rasiert und anders als beim Valencia-Marathon ohne Bart. Um für einen Rekordlauf zu trainieren, dafür liegt die Eifel nicht hoch genug. Vorbereitet hat sich Fitwi in Höhenlagen von 2500 Metern und mehr rund um die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba. Ein zuhause hat er aber in der Eifel gefunden. Er hat eine Wohnung in Gerolstein und das Kennzeichen seines Autos endet auf „LA 204“. „Nein, das habe ich nicht wegen der Marathonzeit gemacht, sondern wegen der Olympischen Spiele in vier Jahren in Los Angeles“, erklärt er. Unterstützt wird Fitwi natürlich von seinem Verein und von Unternehmen aus der Eifel. 

Deshalb genießt er den Cappuccino in der Dauner Bäckerei-Filiale, während Alois Manstein vor Stolz fast platzt. „Europameister Richard Ringer hat gesagt, wäre die Wahl zum Läufer des Jahres eine Woche später gewesen, wäre Samu Favorit gewesen“, sagt der ehemalige Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Kreissparkasse Vulkaneifel. Die Läufer des Jahres wurden am Vorabend des Valencia-Marathons gehert und zwar Fitwis Vereinskameradin Gesa Krause und Amanal Petros. Keine 24 Stunden später hatte Fitwi den Läufer des SSC Berlin als als deutschen Rekordler entthront. Manstein fädelte vor drei Jahren die Kooperation des Kreditinstituts mit Fitwi ein. Langfristig, Stefan Schüßler, der Nachfolger des sein Rentnerdasein genießenden Manstein, sagte: „Wir haben den Vertrag bis 2026 verlängert.“ 

Kaffee gehört in der Vulkaneifel wie im Trainingslager in Äthiopien zu Fitwis Lieblingsgetränken. Beim Great Ethiopian Run bekam er eine Tüte Kaffeebohnen von Haile Gebrselassie geschenkt. Die Lauflegende betreibt in Äthiopien eine Kaffeefarm. Viel reden mit Gebrselassie, der 2009 den Trierer Silvesterlauf gewann, konnte Fitwi aber nicht. „Der ist immer busy“, erzählt er. Der Kaffee war natürlich auch nicht ausschlaggebend für den deutschen Rekord. Den hatte Fitwi gar im Fokus. „An den Rekord habe ich gar nicht gedacht. Ich wollte nur 2:05 laufen“, sagt er. Nun wiegt sein Marathonrekord weit schwerer, als die nationale Bestzeit im Fünf-Kilometer-Straßenlauf, die Fitwi 2021 aufstellte (13:32 Minuten, am vergangenen Samstag vom Dortmunder Mohamed Abdilaahi auf 13:22 Minuten verbessert). Aber Fitwi sieht die Entwicklung im Marathonlauf dynamisch: „Richard Ringer oder Amanal Petros können im Frühjahr vielleicht noch schneller laufen“, sagt er. Oder Fitwi selbst!