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Der Trierer Meeting-Höhenflug

Wer an diesem Freitag vor genau drei Wochen nicht im Moselstadion war, hat den spitzensportlichen Höhepunkt des Jahres in der Stadt Trier verpasst. Top-Leichtathleten aus 18 Nationen begeisterten das Publikum, und das 22. Volksbank Trier-Flutlichtmeeting hätte weit mehr als die etwa 700 Zuschauer verdient gehabt. Umso dankbarer ist der veranstaltende Verein Silvesterlauf Trier für die Unterstützung des Leichtathletik-Topevents durch den erstmaligen Titelsponsor Volksbank Trier. „Wir belohnen damit das außerordentliche ehrenamtliche Engagement im Silvesterlauf-Verein, das diese Werbung für Trier als Sportstadt ermöglicht“, sagte Volksbank-Vorstand Alfons Jochem zur Begrüßung – und ergänzte später: „Das Niveau ist absolut beeindruckend.“

Worte, die nun, nach Abschluss der Freiluftsaison, eine gehaltvolle Bestätigung erhalten: Eine Vielzahl der Trierer Leistungen finden Erwähnung in den Weltranglisten – und drei nationale Rekorde stehen zu Buche: die 3000-Meter-Zeit beim umjubelten Sieg des luxemburgischen Olympiafinalisten Charles Grethen (7:43,41 Minuten) sowie die Ergebnisse von Julia Samuelsson und Veerle Bakker über 2000 Meter Hindernis als neue Bestmarken für Schweden und die Niederlande. Dass WM-Finalistin Olivia Gürth (Siegerin in 6:10,46) die von ihr selbst gehaltene deutsche U23-Bestmarke steigerte, ist aus internationaler Sicht eine Randnotiz. Ebenso – ein fact für Leichtathletik-Fans -, dass der junge Norweger Andreas Fjeld Halvorsen (Sechster über 3000 Meter in 7:47,04) wenige Tage vor seinem 18. (!) Geburtstag schneller war als im vergleichbaren Alter sein berühmter Landsmann Jakob Ingebrigtsen (1500-Meter-Olympiasieger und zweimaliger Weltmeister). Halvorsens Zeit bedeutet neben dem norwegischen U20-Rekord den zweiten Platz in der U20-Europarangliste 2023, gefolgt vom 19-jährigen Österreicher Kevin Kamenschak mit seinen 7:48,57 … – gelaufen wo? In Trier.

Zwangsläufig taucht die Ortsmarke „Moselstadion, Trier (GER)“ in sehr vielen der jetzt finalen Listen auf. Und der Australier Nic Bideau, einer der führenden Leichtathletik-Manager der Welt, hat schon versprochen: „Wir kommen nächstes Jahr wieder. Es war ein kleines, aber phantastisches Meeting. Mit perfekten Bedingungen  für Mittel- und Langstreckler.“ Zu der von Bideau betreuten Athletengruppe zählt auch seine Tochter Sophie, die den berühmten Nachnamen der früheren Weltmeisterin Sonia O’Sullivan trägt. Sophie – wie die Mama unter irischer Flagge startend – war ebenso wie Hindernisspezialistin Olivia Gürth als frische U23-Europameisterin nach Trier gekommen. Und reiste nach ihrem beeindruckenden Doppelstart mit Sieg (2000 Meter) sowie um vier Sekunden gesteigerter Bestzeit (800 Meter) ab. Talent trifft Weltklasse in Trier. Und Talente reifen hier zur Weltklasse, die 800-Meter-Siegerin Vivian Chebet Kiprotich aus Kenia in 1:59,97 Minuten ins Moselstadion zauberte. Es ist die erste “sub 2”-Zeit einer Frau auf Trierer Boden in der Leichtathletik-Historie.

Alle Ergebnisse hier

Was den Wert der Spitzenergebnisse gewissermaßen noch aufwertet: Die 400-Meter-Runde der im Jahr 1985 errichteten Kunststoffanlage ist sogar wenige Zentimeter „zu lang“. Das ergaben Nacherhebungen durch städtische Vermesser. Bleibt zu hoffen, dass die Statuten des Weltverbandes „World Athletics“ und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes dies erlauben… 😉

Wolfgang Heinig, Trainer der zweimaligen Europameisterin Gesa Krause (links) und Olivia Gürth (Bildmitte) wird von Silvesterlauf-Vereinsvorstand Norbert Ruschel für seine großen Verdienste in der Entwicklung der beiden Spitzenathletinnen geehrt. (alle Fotos: Prediger)